Jens, du bist als Chef der „meine Bayerische Vermögen“ für viele Menschen vermutlich erst einmal der klassische Bankmanager. Was wäre eine Sache über dich, bei der die meisten sagen würden: „Das hätte ich jetzt wirklich nicht gedacht“?

Wahrscheinlich mein Musikgeschmack. Wenn du mich vor die Wahl stellst: Helene Fischer oder Metallica – dann ist die Antwort ziemlich eindeutig.

Eindeutig Metallica, Guns N’ Roses, Nirvana und ähnlichen Bands. Die ganz wilden Zeiten sind zwar vorbei, aber diese Musik begleitet mich schon sehr lange.

Mein erstes Konzert war Guns N’ Roses. Da war ich 15 oder 16 Jahre alt. Das ist inzwischen fast 35 Jahre her. Wir standen damals knietief im Schlamm – das werde ich nie vergessen.

Was war dein bisher peinlichster Moment im Berufsleben – einer, über den du heute lachen kannst, damals aber am liebsten im Boden versunken wärst?

Das war während meiner Zeit bei der Deutschen Bank. Ich stand bei einer Veranstaltung vor ungefähr 150 bis 180 Kollegen und habe komplett den Faden verloren.

Wirklich komplett. Ich habe wahrscheinlich im Sekundentakt die Gesichtsfarbe gewechselt und selbst gemerkt, wie mir die Situation entgleitet. Mein damaliger Chef hat das relativ schnell bemerkt und ist mir – im wahrsten Sinne des Wortes – zur Seite gesprungen.

Ich bin dann kurz auf die Toilette verschwunden, habe einmal tief durchgeatmet und bin wieder zurück.

Das war damals natürlich überhaupt nicht lustig. Aber im Nachgang war es einfach ein klassischer Blackout – und vor allem ein sehr menschliches Erlebnis.

Heute passiert mir das glücklicherweise nur noch sehr selten. Aber wenn ich bei einem jüngeren Kollegen einmal so eine Situation mitbekomme, muss ich schon ein bisschen schmunzeln. Ich kenne das Gefühl schließlich selbst sehr gut.

Du könntest deinem 25-jährigen Ich heute einen Rat geben. Was würdest du ihm sagen?

Mach einen Tanzkurs.

Das ist tatsächlich eines der wenigen Dinge, die ich rückblickend anders machen würde. Mit 18, 19 oder 20 war das in meinem Freundeskreis völlig uncool. Heute ärgert mich das ein bisschen – und meine Frau wahrscheinlich auch.

Ein Tanzkurs steht deshalb tatsächlich noch auf meiner Bucketlist. Wobei ich ehrlich gesagt nicht weiß, ob das für alle Beteiligten eine gute Idee ist. Ich bin ziemlich ungelenkig und habe nicht unbedingt das größte Taktgefühl.

Und einen zweiten Rat hätte ich auch: Geh in einen Verein.

Ich bin 1998 nach Rosenheim gekommen und habe es damals versäumt, mich hier in einem Fußball-, Trachten- oder Sportverein zu engagieren. Das würde ich heute anders machen.

Vereine bringen Menschen zusammen. Man findet Freunde, bekommt Unterstützung und erlebt Gemeinschaft. Deshalb kann ich gerade jungen Menschen nur empfehlen: Geht raus, bewegt euch, macht Sport, engagiert euch und findet neue Menschen.

Worauf bist du persönlich am meisten stolz, wenn du Erfolg, Karriere und Geld einmal komplett außen vor lässt?

Auf meine Familie.

Ich habe Zwillinge, die gesund sind, bin seit über 20 Jahren mit meiner Frau zusammen und habe ein sehr gutes familiäres Umfeld.

Auch das Verhältnis zu meinen Eltern ist mir sehr wichtig. Und meine Frau hat ebenfalls ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern.

Das ist für mich alles andere als selbstverständlich. Man erlebt im Berufsleben immer wieder, dass Menschen unterschiedlich miteinander umgehen. Deshalb schätze ich es sehr, dass wir innerhalb unserer Familie so gut miteinander auskommen.

Du bekommst heute Abend einen Tisch mit drei Menschen – egal, ob lebend oder bereits verstorben. Wen würdest du einladen?

James Rizzi wäre definitiv dabei. Ich bin ein großer Fan seiner Kunst. Mit ihm würde ich sehr gerne über Kunst und seine Themen sprechen.

Als Zweiten würde ich wahrscheinlich Franz Beckenbauer einladen. Ich bin mit Fußball aufgewachsen und durch und durch FC-Bayern-Fan. Mich würde seine Zeit als Spieler und natürlich auch die Entwicklung des Fußballs unglaublich interessieren.

Und als Dritten würde ich wahrscheinlich einen Musiker aus der Metal-Szene nehmen. Da schwanke ich zwischen Kurt Cobain, James Hetfield, Ozzy Osbourne und Axl Rose.

Axl Rose wäre wahrscheinlich besonders interessant, weil Guns N’ Roses mein erstes Konzert war. Mit ihm über diese Zeit, die Musik und die Festivals von damals zu sprechen, wäre schon spannend.

Gibt es eine Frage, die dir viel zu selten gestellt wird?

Das ist tatsächlich gar nicht so einfach. Beruflich gibt es sicherlich einige Fragen, die manchmal aufgrund von Hierarchien nicht gestellt werden.

Ich bin da aber ziemlich entspannt. Auch beim Thema „Sie“ und „Du“. Gerade hier in Bayern ist das „Du“ ja relativ normal. Und manchmal merkt man förmlich, wie sich jemand einen abbricht, weil er unbedingt beim „Sie“ bleiben möchte.

Dann denke ich mir: Sag doch einfach „Du“. Das ist für mich überhaupt kein Problem.

Privat fällt mir noch etwas Ähnliches auf: Wenn beispielsweise ein Kellner oder eine Bedienung mit einem „Sie“ und anschließend einem sehr förmlichen Ton anfängt, finde ich das manchmal fast schon befremdlich. Ich glaube, wir könnten im Alltag manchmal einfach ein bisschen unkomplizierter miteinander umgehen.

Du bist vor knapp 30 Jahren nach Rosenheim gekommen. Was macht Rosenheim für dich aus?

Ganz einfach: die Menschen, die Stadt und das Umfeld.

Das mag zunächst abgedroschen klingen, aber ich habe tatsächlich den Vergleich. Ich bin 1998 hierhergekommen und finde es wirklich schön hier.

Rosenheim hat viele tolle Menschen und unglaublich viele interessante Projekte. Es gibt eine starke Vereinslandschaft, viele erfolgreiche Unternehmer und Menschen, die etwas aufgebaut haben und trotzdem nahbar geblieben sind.

Dazu kommt natürlich die Umgebung: die Berge, die Seen, die Nähe zu Italien und gleichzeitig aber auch die Nähe zu München und zum Flughafen.

Für mich ist das einfach eine echte Wohlfühlgegend.

Und ich mag diese Mischung aus Herzlichkeit und Ehrlichkeit. Man kann sich auch einmal ordentlich die Meinung sagen und trotzdem ein paar Stunden später gemeinsam ein Bier trinken. Das passt für mich.

Gibt es ein persönliches Motto, das du den Menschen gerne mitgeben würdest?

Gegenseitiger Respekt.

Und vielleicht noch etwas, das heute manchmal ein bisschen verloren geht: klassische Umgangsformen.

Solange wir respektvoll miteinander umgehen, uns „Grüß Gott“, „Servus“ oder „Hallo“ sagen und ein „Bitte“ und „Danke“ verwenden, haben wir meiner Meinung nach schon einen sehr großen Teil guter Kommunikation geschafft.

Ich bin nächstes Jahr 50 und komme aus einer Generation und einem kleinen Ort, in dem man sich auf der Straße einfach gegrüßt hat.

Das würde ich jetzt nicht in der Rosenheimer Fußgängerzone von jedem erwarten. Aber wenn ich irgendwo hinkomme, sage ich „Servus“, „Hallo“ oder „Grüß Gott“. Und wenn ich gehe, sage ich „Servus“ oder „Auf Wiedersehen“.

Und wenn ich etwas möchte, dann sage ich bitte und danke. Das versuche ich auch meinen Kindern mitzugeben.

Ob beim Busfahrer, im Restaurant oder im Alltag: Diese kleinen Dinge kosten nichts. Aber sie verändern, wie Menschen miteinander umgehen.