Du bist praktisch in der Schafwollspinnerei groß geworden. Welche Erinnerungen aus deiner Kindheit sind dir besonders geblieben?
Besonders gerne erinnere ich mich an meinen Großvater. Er war ein begeisterter Bastler und Erfinder und hatte viel Erfahrung im Maschinenbau. Für mich war es das Schönste, nach der Schule zu ihm zu gehen und gemeinsam mit ihm zu tüfteln. Dabei hat er mir viel Wissen und handwerkliches Können vermittelt.
Auch meine Eltern haben mich sehr geprägt. Ich konnte immer mit meinen Wünschen und Anliegen zu ihnen kommen und hatte stets ein offenes Ohr. Dass ich einmal beruflich in die Schafwollspinnerei einsteigen würde, wurde mir allerdings erst während meiner Ausbildung bewusst.
Du bist gelernter Industriemechaniker. War dein Weg in den Familienbetrieb von Anfang an vorgezeichnet?
Als Kind wollte ich Lokomotivführer werden. Mit etwa zehn oder elf Jahren entwickelte sich dann mein Interesse am Maschinenbau, sicherlich auch durch meinen Großvater und meinen Vater. Ich hatte früh eine eigene kleine Werkstatt und habe viel selbst ausprobiert.
Nach meiner Ausbildung zum Industriemechaniker sammelte ich zunächst weitere berufliche Erfahrungen. Erst mit etwa 30 Jahren bin ich vollständig in den Familienbetrieb eingestiegen. Diese Zeit außerhalb des Unternehmens war für mich sehr wertvoll.
Was bedeutet es für dich, die Verantwortung für ein Unternehmen zu tragen, das deine Großeltern aufgebaut haben?
Wir beschäftigen inzwischen rund 30 Mitarbeiter. Dabei hilft uns, dass jeder seinen eigenen Aufgabenbereich hat und Verantwortung übernimmt. Meine Eltern, meine Frau und ich kümmern uns ebenfalls um unterschiedliche Bereiche.
Unsere Mitarbeiter gehören für mich zur Familie. Jeder weiß, dass seine Arbeit Auswirkungen auf die Kollegen hat. Dadurch verteilt sich die Verantwortung auf viele Schultern und hängt nicht allein an mir.
Was motiviert dich, wenn du morgens in den Betrieb kommst?
Ich möchte etwas für die Zukunft aufbauen, damit es meiner Familie gut geht und meine Kinder später die Möglichkeit haben, den Betrieb weiterzuführen, wenn sie das möchten. Meine Töchter sind sechs und zehn Jahre alt. Natürlich weiß ich noch nicht, welchen Weg sie einmal einschlagen werden. Mir ist wichtig, ihnen diese Möglichkeit offenzuhalten.
Gab es Entscheidungen, die dir als Unternehmer besonders schwergefallen sind?
Wirklich schwierige Entscheidungen fallen mir auf Anhieb nur wenige ein. Wir entwickeln neue Produkte, probieren Dinge aus und gehen dabei natürlich auch Risiken ein.
Ich bin überzeugt, dass man manchmal etwas versuchen muss, um herauszufinden, ob es funktioniert. Wenn ich etwas gar nicht erst ausprobiere, ärgere ich mich eher, weil ich nie erfahren werde, was möglich gewesen wäre. Dabei bin ich durchaus risikofreudig, aber ich versuche, vernünftig abzuwägen.
Du arbeitest mit teilweise sehr alten Maschinen. Bist du eher Bewahrer oder offen für Veränderungen?
Beides. Unsere alten Maschinen liefern eine hervorragende Qualität, von der wir leben. Außerdem sind sie mechanisch aufgebaut und lassen sich häufig von mir selbst reparieren. Bei modernen Anlagen mit viel Elektronik können Defekte dagegen zu längeren Ausfällen führen, weil man auf Spezialisten und Ersatzteile angewiesen ist.
Deshalb halte ich an unserer bewährten Technik fest. Gleichzeitig müssen wir uns neuen Anforderungen stellen. Gerade die Bürokratie hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und bindet immer mehr Zeit. Bei unseren Produktionsmaschinen sehe ich dagegen derzeit keinen Grund, funktionierende Technik allein deshalb auszutauschen, weil sie alt ist.
Was wissen Menschen, die dich nur als Unternehmer erleben, vielleicht nicht über dich?
Arbeit ist für mich nicht das Wichtigste. Meine Familie steht an erster Stelle. Allerdings gehören Familie und Betrieb für mich eng zusammen, denn wenn es in der Firma nicht läuft, wirkt sich das auch auf das Familienleben aus.
Ich bin ehrgeizig und zielstrebig. Gleichzeitig bin ich jemand, der offen mit anderen umgeht. Deshalb gibt es vermutlich nicht allzu viel, was Menschen, die mich gut kennen, nicht über mich wissen.
Wie gelingt es dir, nach Feierabend Abstand zum Betrieb zu gewinnen?
Ehrlich gesagt gelingt mir das kaum. Ich hänge mit Leib und Seele im Unternehmen. Selbst im Urlaub telefoniere ich gelegentlich, lese E-Mails oder erkundige mich, wie es zu Hause läuft.
Wir fahren etwa zwei Wochen im Jahr gemeinsam weg. Ganz abschalten kann ich aber nur schwer. Der Betrieb ist ein großer Teil unseres Lebens, und wir müssen als Familie zusammenhalten, damit alles funktioniert.
Welche Bedeutung haben Bad Feilnbach und Litzldorf für dich und das Unternehmen?
Das ist unsere Heimat. Die Gemeinde Bad Feilnbach hat uns unterstützt, und die Region ist für uns entscheidend. Wir leben von unserer Regionalität, unseren Kunden und den Menschen, die mit uns arbeiten.
Unsere Mitarbeiter bringen über viele Jahre erworbenes handwerkliches Wissen ein. Ich könnte mir nicht vorstellen, den Betrieb ins Ausland zu verlagern, nur um günstiger zu produzieren. Das würde unserer Glaubwürdigkeit und unserer Identität widersprechen. Wenn wir mit Regionalität werben, müssen wir sie auch konsequent leben.
Was wünschst du dir für dich und deine Familie in zehn oder zwanzig Jahren?
Gesundheit steht ganz oben. Ich wünsche mir, dass es meiner Familie weiterhin gut geht und meine Kinder ihren eigenen Weg finden und einen Beruf erlernen, der zu ihnen passt.
Für den Betrieb wünsche ich mir, dass wir unser stetiges Wachstum fortsetzen und unseren Mitarbeitern auch in Zukunft sichere und gute Arbeitsplätze bieten können. Gleichzeitig hoffe ich, dass die bürokratischen Anforderungen nicht irgendwann so groß werden, dass Unternehmer die Lust an ihrer Arbeit verlieren.