Marisa, was bereitet dir eine besonders große Freude, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist?

Ein persönlicher Brief, liebe Worte oder eine Rede meiner Freunde zum Geburtstag. Auch eine herzliche Umarmung bedeutet mir viel. Am Ende sind es die menschlichen Dinge, die zählen.

Wie viel von der Marisa, die in der Öffentlichkeit steht, ist wirklich die private Marisa?

Ich bin authentisch und verstelle mich nicht. Ein Handschlag zählt für mich, und zu meinem Wort stehe ich. Ich interessiere mich ehrlich für Menschen und erinnere mich auch an Begegnungen im Bierzelt. Natürlich gehört Spaß dazu, aber ich nehme vieles sehr ernst. Die Brauerei und die vielen Feste sind mein Leben – das kann man nur mit ganzem Herzen machen.

Wo kannst du abschalten und dir Zeit für dich nehmen?

Eigentlich brauche ich das nicht bewusst, weil ich mein Leben gerne lebe. Die Brauerei, meine Familie und meine Freunde gehören zusammen. Natürlich freue ich mich, wenn ich nach einem langen Fest sehe, dass die Gäste glücklich nach Hause gehen. Im Auto auf dem Heimweg kann ich dann langsam loslassen und denke mir: Es war wieder ein schönes Fest.

Du bist seit vielen Jahren in der Flötzinger Brauerei tätig. Gab es jemals den Wunsch, etwas ganz anderes zu machen?

Nein. Am 1. Oktober bin ich bereits 35 Jahre in der Flötzinger Brauerei tätig. Ich freue mich, dass ich diesen Weg gehen durfte und hoffe, dass mein Sohn oder vielleicht später meine Tochter das Unternehmen einmal weiterführen werden. Deshalb investieren wir auch in unseren zweiten Standort: Wir wollen die Zukunft der Brauerei sichern.

Was unterschätzen Menschen an dir vielleicht am meisten?

Vielleicht, wie nett und offen ich sein kann. Allerdings hat auch meine Geduld Grenzen. Wenn ich belogen oder enttäuscht werde, kann ich sehr konsequent und hart sein. Ich bin gerne freundlich, aber ich lasse nicht alles mit mir machen.

Das Rosenheimer Herbstfest ist für viele eine besondere Zeit. Kannst du dort überhaupt abschalten?

Während des Herbstfestes eigentlich nicht. Ich freue mich aber, wenn ich nach einem langen Tag sehe, dass meine Bierfreunde glücklich nach Hause gehen. Besonders schön ist der letzte Tag, wenn man sich bei den Bedienungen und den Schankkellnern bedanken kann. Auf dem Heimweg lasse ich das Fest dann Revue passieren.

Hast du manchmal das Gefühl, ständig Erwartungen erfüllen zu müssen?

Ja, diesen Druck kenne ich. Meine Familie und meine Freunde fragen mich schon, wie es mir geht. Aber man möchte auch nicht jeden Tag allen erzählen, wie es einem wirklich geht. Gerade wenn man in der Öffentlichkeit steht, heißt es oft: Krone richten und weitermachen.

Nach dem Tod meiner Mutter war das Herbstfest besonders schwierig. Gleichzeitig weiß ich, dass die Menschen viel Geld für einen Besuch ausgeben und sich auf diese Zeit freuen. Da muss man seine eigenen Gefühle manchmal zurückstellen. Es muss weitergehen.

Du hast deinen Bruder, deine Mutter und deinen Vater verloren. Was hat dich in dieser Zeit getragen?

Ich glaube, ich bin ein sehr starker Mensch. Vielleicht würde man vieles sonst gar nicht schaffen. Meine Eltern haben mir wichtige Werte mitgegeben: ehrlich, höflich und anständig zu bleiben und anderen Menschen mit Respekt zu begegnen – unabhängig davon, welche Position sie haben.

Ich helfe gerne, wenn ich kann. Man weiß nie, wann man selbst einmal Hilfe braucht. Und man weiß auch nicht, welche Sorgen ein anderer Mensch gerade mit sich trägt. Deshalb versuche ich, nicht vorschnell über andere zu urteilen.

Gibt es einen Satz, der dir in schwierigen Situationen hilft?

Eine verstorbene Freundin hat immer gesagt: „Krone richten und weitergehen.“ Von meinen Eltern habe ich mitgenommen: Wir schaffen das schon, solange wir bei der Wahrheit bleiben.

Vertrauen und Ehrlichkeit sind für mich entscheidend. Auch wenn es manchmal schwierig ist, herauszufinden, wer es wirklich ehrlich mit einem meint.

Was sollen Menschen besser verstehen, wenn sie auch deine private Seite kennenlernen?

Dass es für mich kein Zurück gibt, sondern immer ein Weitergehen. Das sage ich auch meinen Kindern. Schwierigkeiten gehören zum Leben. Sie können uns stärker machen und prägen den Menschen, der wir werden.

Ich bin außerdem jemand, der Dinge gerne anpackt. Wenn ich von einer Idee überzeugt bin, setze ich sie am liebsten sofort um.

Was möchtest du deinen Kindern für ihren eigenen Weg mitgeben?

Respekt, Anständigkeit und Dankbarkeit. Wir haben vieles, wofür wir dankbar sein können. Das sollten wir nicht als selbstverständlich ansehen.

Was wünschst du dir persönlich für die kommenden Jahre?

Glücklich und gesund zu bleiben. Das klingt vielleicht nach einer einfachen Antwort, aber für mich bedeutet Glück, mit mir selbst und meinem Leben im Reinen zu sein. Ich fühle mich angekommen. Natürlich gibt es immer wieder schwierige Momente, aber insgesamt bin ich glücklich mit meinem Leben.

Wie gehst du mit Wut und Enttäuschungen um?

Ich kann durchaus schnell wütend werden. Deshalb versuche ich, manchmal erst eine Nacht darüber zu schlafen. Ein verletzendes Wort kann man nicht einfach zurücknehmen. Mit Streit und Disharmonie möchte ich möglichst wenig Energie verlieren.

Ich bin grundsätzlich ein friedlicher Mensch. Wenn aber eine Grenze überschritten ist, kann ich auch konsequent sein. Dann muss ich einen Schlussstrich ziehen.

Woher nimmst du die Kraft, die vielen Aufgaben und bis zu 190 Feste im Jahr zu bewältigen?

Von unserem guten Bier – und vor allem daraus, dass es mein Leben ist. Brauerei, Familie und Freunde sind für mich eine Einheit. Viele unserer Gäste und Getränkehändler sind längst Freunde geworden. Deshalb bin ich auch authentisch: Das gehört alles zusammen.

Ich freue mich, wenn Menschen mich auf dem Herbstfest ansprechen und ein Foto machen möchten. Das ist eine schöne Anerkennung. Ich möchte Spuren hinterlassen und irgendwann sagen können: Die Marisa hat es gegeben, und sie war ein guter Mensch.

Was macht unsere Region für dich so besonders?

Die Tradition, das Brauchtum, unser Bier und die Menschen. Hier kennt man sich, hier bin ich daheim. Wir haben die Berge vor der Tür und dürfen uns glücklich schätzen, in einer so schönen Region zu leben.

Glück bekommt man allerdings nicht geschenkt, und man kann es sich nicht einfach kaufen. Man muss selbst etwas dafür tun – im Beruf, in der Familie und in Freundschaften.

Was bedeutet dir Liebe?

Liebe ist das Wichtigste. Ich empfinde sie für meine beiden Kinder, meine Familie, meine Freunde, die Brauerei und das Leben selbst. Mein Freundeskreis gibt mir Kraft und Stärke. Ohne Liebe kann man auf Dauer nicht glücklich sein.

Was soll von dir in Erinnerung bleiben?

Dass ich ein herzlicher, gerechter und manchmal vielleicht auch ein bisschen verrückter Mensch war. Dass man mit mir lachen konnte und ich mich für die Region eingesetzt habe. Und dass ich die Brauerei in die Zukunft geführt habe.

Wenn du dein Lebensmotto in wenigen Worten zusammenfassen müsstest?

Weitermachen. Immer wieder aufstehen, nach vorne schauen und am besten einen Schritt voraus sein.