Georg, wenn du einen ganzen Tag lang weder Unternehmer noch Chef noch Autoglaser sein müsstest, wie würde dein perfekter Tag aussehen?

Das ist ganz einfach: Ich würde mit meiner Frau vormittags gemütlich frühstücken, danach eine Runde Golf spielen. Anschließend würde ich den Tag bei einem gemütlichen Essen ausklingen lassen.

Was muss ein Mensch mitbringen, damit du nach fünf Minuten denkst, mit dem könnte ich auch privat einen richtig guten Abend verbringen?

Ehrlichkeit und Sympathie. Dazu kommt die Ausstrahlung, die Aura eines Menschen. Man merkt relativ schnell, ob die Chemie stimmt.

Gibt es eine Eigenschaft an dir bei der deine Familie oder deine engsten Freunde wahrscheinlich sagen würden ja genau das ist typisch Georg, auch wenn du selbst das vielleicht gar nicht so siehst.

Wahrscheinlich mein Ehrgeiz. Ich fokussiere mich sehr stark auf das, was ich erreichen möchte. Durch meinen Willen und meinen Ehrgeiz habe ich etwas aufgebaut, von dem wahrscheinlich früher niemand gedacht hätte, dass ich das einmal schaffen würde.

Viele Menschen wollen Kritik nicht hören. Wie stehst du zu Kritik im Geschäfts- und Privatleben.

Ich liebe sinnvolle Kritik. Gerade im Sport hat mich das unglaublich weit gebracht. Wenn mir jemand gesagt hat, was ich schlecht gemacht habe, wollte ich es anschließend besser machen.

Genauso sehe ich es heute im Unternehmen. Wenn ein Kunde Kritik äußert, kann ich damit etwas anfangen. Dann weiß ich, was wir verbessern können. Kritik ist für mich eine Möglichkeit zu wachsen – beruflich, persönlich und auch in Beziehungen.

Oftmals führen schwierige Erfahrungen zu positiven Veränderungen – trifft das auch bei dir zu?

Für mich definitiv. Das Leben ist ein Auf und Ab. Wenn es einem wieder besser geht, kommt man schnell in die Komfortzone.

Ich bin leider selbst manchmal undiszipliniert. Wenn es schlecht läuft, werde ich wieder aktiv und ändere Dinge. Sobald es besser läuft, lässt diese Konsequenz manchmal wieder nach.

Ich möchte deshalb mehr Konstanz in mein Leben bringen. Gerade mit zunehmendem Alter wird es wichtiger, regelmäßig Sport zu machen und auf seine Gesundheit zu achten.

Was macht dich momentan glücklich, was macht dich so richtig zufrieden?

Ich habe lange geglaubt, dass man zuerst herausfinden muss, was einen glücklich macht. Heute glaube ich eher, dass der Weg dorthin das Spannende ist.

Man verfolgt ein Ziel, entwickelt sich weiter und erlebt dabei immer wieder Höhen und Tiefen. Genau das macht das Leben aus.

Im Moment macht mich Golf unglaublich glücklich. Ich lerne noch, habe gute und schlechte Tage und merke, wie ich mich langsam weiterentwickle. Das spiegelt für mich auch das Leben wider.

Georg, was kann dir innerhalb von wenigen Sekunden richtig gute Laune bereiten? Und welche Kleinigkeit kann dir genauso schnell den Tag vermiesen.

Ein positives Kundenfeedback kann mir sofort gute Laune machen. Wir geben unglaublich viel für unsere Kunden. Wenn dann jemand sagt, dass er so einen Service noch nie erlebt hat, macht mich das stolz.

Dann weiß ich, dass wir vieles richtig gemacht haben und dass unsere Mitarbeiter eine besondere Dienstleistung abliefern.

Was mich dagegen sehr schnell auf die Palme bringt, ist Ungerechtigkeit. Das kann in der Politik sein, im Alltag oder im Sport.

Wenn du heute deinem 20-jährigen ich begegnen würdest, würdest du ihm eher sagen, mach genauso weiter oder mach ein paar Dinge unbedingt anders.

Ich würde grundsätzlich sagen: Mach es genauso.

Natürlich würde ich an ein paar kleinen Stellschrauben drehen. Aber im Grunde bin ich heute genau dort, wo ich sein wollte.

Ich bin ein positiver Mensch und jammere nicht. Wenn ich etwas verändern kann, dann löse ich es. Wenn ich es nicht beeinflussen kann, dann bringt es auch nichts, mich darüber aufzuregen.

Ich sehe mein Glas grundsätzlich halb voll. Ich denke nicht ständig darüber nach, wer mehr hat oder mehr verdient, sondern darüber, wie gut es mir eigentlich geht.

Gibt es einen Menschen, bei dem du heute sagst, ohne diese Person wäre mein Leben vielleicht etwas anders verlaufen.

Steve Jobs.

Ich habe 2012 sein Buch gelesen und ihn vorher eigentlich gar nicht richtig gekannt. Sein Gedanke „Think different“ hat mich stark geprägt.

Er hat Dinge immer anders betrachtet und war ein echter Visionär. Seitdem versuche ich, nicht einfach das zu kopieren, was alle anderen machen. Ich schaue mir an, was andere gut machen, was sie schlecht machen, nehme das Beste daraus und entwickle daraus etwas Eigenes.

Gibt es etwas, das du eigentlich ziemlich gut kannst, von dem aber kaum jemand was weiß?

Ich glaube, viele wissen gar nicht, wie kreativ ich bin.

Ich denke häufig quer und komme auf Ideen, auf die andere vielleicht nicht sofort kommen. Gerade beruflich hilft mir das sehr.

Außerdem kann ich mich relativ gut in andere Menschen hineinversetzen. Wenn jemand etwas macht, frage ich mich nicht nur, was er gemacht hat, sondern auch: Warum macht er das? Was denkt er dabei?

Das hilft mir, andere besser zu verstehen.

Was würdest du gerne an dir ändern oder vielleicht einfach nur ein wenig anpassen?

Ich bin wahrscheinlich manchmal zu ehrlich. Ich muss nicht immer meine Meinung sagen.

Manchmal wäre es besser, einfach zuzuhören und die Meinung des anderen stehen zu lassen. Gerade in einer Beziehung ist das wichtig.

Ich habe außerdem einen starken Helferinstinkt. Ich möchte Menschen immer helfen. Aber manchmal muss man Menschen auch ihre eigenen Erfahrungen machen lassen.

Das gilt zum Beispiel auch für meine Tochter. Sie ist gerade mit 19 Jahren in Asien unterwegs. Natürlich könnte ich ständig versuchen, ihr zu helfen. Aber sie muss jetzt ihre eigenen Erfahrungen machen und selbstständiger werden.

Wenn irgendwann einmal dein beruflicher Erfolg keine Rolle mehr spielt, woran sollen sich Menschen dann bei Georg Niedermayr erinnern?

Als einen sympathischen, ehrlichen, zuvorkommenden und guten Menschen.

Ich glaube, dass ich eine gewisse Gabe habe, schnell eine Verbindung zu Menschen aufzubauen. Gerade bei Kunden gelingt mir das häufig sehr schnell.

Dabei ist mir wichtig, authentisch zu bleiben. Ich möchte nicht jemand anderes sein, sondern so auftreten, wie ich wirklich bin.

Gibt es eine Frage, die dir viel zu selten gestellt wird?

Vielleicht die Frage, warum ich eigentlich so geworden bin, wie ich heute bin.

Viele Dinge haben mit meiner Vergangenheit, meiner Familie, meinen Erfahrungen und auch meinen Fehlern zu tun. Ich glaube, dass all diese Dinge einen Menschen prägen.

Und wenn ich heute zurückblicke, bin ich vor allem dankbar. Für meine Familie, für mein Unternehmen, für die Menschen um mich herum und dafür, dass ich aus schwierigen Zeiten etwas Positives machen konnte.

Mein großes Lebensmotto ist deshalb: „Wer gibt, gewinnt.“