Tobias, bevor es die GlutsBrothers gab, gab es an diesem Standort bereits eine ganz andere Geschichte. Wie sah dein berufliches Leben damals aus – und wie kam überhaupt die Idee auf, dich mit Grills zu beschäftigen?

Wir sitzen hier in den Gemäuern eines Bauernhofs, der Ende des 19. Jahrhunderts gebaut worden ist. Mein Opa hat ihn damals gekauft und daraus eine Keramikwerkstatt gemacht. Mein Vater hat das weitergeführt und schließlich auch an mich übergeben.

Mit dem Handwerk des Keramikers konnte ich mich allerdings nur bedingt identifizieren. Auch wirtschaftlich war meine eigene Linie nicht unbedingt so erfolgreich, dass ich das hätte weiterführen können und wollen.

Der Gedanke an GlutsBrothers entstand dann in Gesprächen mit einem sehr guten Freund. Nachdem diesem das Risiko letztlich zu groß war, habe ich es alleine gestartet.

Mein Ziel war von Anfang an, hochwertige und schöne Produkte zu verkaufen, an denen die Menschen viele Jahre Freude haben. Und das Ganze mit einer möglichst authentischen und bestmöglichen Beratung.

Wie lange hat es gedauert, bis du zum ersten Mal gedacht hast: „Das könnte wirklich funktionieren“?

Das hat ungefähr drei bis vier Jahre gedauert.

An alle Start-ups kann ich deshalb nur sagen: Nehmt euch die Zeit. Ihr braucht gerade am Anfang entsprechende Rücklagen und ein gewisses Durchhaltevermögen.

Wie ist aus der ursprünglichen Idee schließlich die Marke GlutsBrothers entstanden – und was sollte GlutsBrothers von Anfang an anders machen als ein klassischer Grillhandel?

GlutsBrothers war für mich von Anfang an als Marke gedacht. Das Konzept war durchaus so aufgebaut, dass es irgendwann auch als Franchise funktionieren könnte.

Das Logo, das ein bisschen an ein Biker- beziehungsweise One-Percenter-Logo erinnert, war ein großer Bestandteil des Konzepts. Es sollte vermitteln, dass man sich auch als Community begreift – als Gruppe, die eine gewisse Verbindung zu dem Store hat.

GlutsBrothers war also von Anfang an nicht einfach nur als Geschäft geplant, sondern als Marke.

Du hast die Geschichte der Räumlichkeiten gerade angesprochen. War es dir wichtig, die Geschichte des Gebäudes und deiner Familie weiterzuführen und gleichzeitig etwas völlig Neues zu schaffen?

Für mich hat es überhaupt keine Rolle gespielt, was die Familie oder die Familiengeschichte hier vorher war.

Was ich schön finde: Mario Scheucher, der unter anderem den Innenausbau mitgeleitet hat, hat verschiedene Design- und Ästhetikelemente eingebracht, die einen Bezug zur Keramik und auch zur Landwirtschaft herstellen.

Da gibt es zum Beispiel ein Element, das farblich perfekt zu unserer Corporate Identity passt. Ich finde es schön, wie das geworden ist.

Aber eine Identifikation mit meiner vorherigen Tätigkeit gibt es für mich eigentlich nicht mehr.

2020 war dann endgültig Schluss mit Vogt Keramik. War das für dich eher ein emotionaler Abschied oder vor allem der Blick nach vorne?

Absolut der Blick nach vorne.

Nach der Liquidierung der GmbH haben wir hier mit dem Umbau begonnen. Das war reiner Optimismus und reine Vorfreude auf das, was kommt.

GlutsBrothers ist heute deutlich mehr als ein klassischer Laden, in dem man Grills kaufen kann. Wann hast du entschieden, daraus einen Grill- und Genuss-Concept-Store zu machen?

Wenn du dir meine Gewerbeanmeldung von damals anschaust, stand eigentlich schon alles drin: hochwertige Grillgeräte, Lebensmittel, Wein, Messer und vieles mehr.

Das Konzept stand für mich also von Anfang an.

Die konsequente und komplette Umsetzung war natürlich zunächst auch eine finanzielle Frage. Aber sobald es möglich war, habe ich eigentlich alles umgesetzt, was ich mir ursprünglich vorgestellt hatte.

Mittlerweile haben wir unser Sortiment noch um Interior Design erweitert. Wir haben also sehr exklusives und hochwertiges Interior Design bei uns.

Deshalb kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass wir wirklich einen Concept Store haben.

Eine Packung Pasta neben einem Grill macht für mich noch keinen Concept Store.

Ihr verkauft nicht einfach irgendwelche Grillprodukte, sondern setzt stark auf Beratung, Qualität und besondere Marken. Was muss ein Produkt können, damit du sagst: „Das passt zu GlutsBrothers“?

Die Ästhetik muss stimmen. Das Design sollte wirklich gut sein. Die Haptik muss stimmen. Die Verarbeitung muss passen und natürlich muss auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen.

Mindestens genauso wichtig ist aber die Funktionalität. Das Produkt muss funktionieren.

Wir haben eine sehr, sehr kuratierte Auswahl hier im Store. Wir nehmen natürlich nicht alles auf. Nahezu jedes Produkt, das wir hier verkaufen, wurde von uns getestet.

Dadurch können wir es mit Überzeugung und mit Freude verkaufen.

Gab es in der Geschichte der GlutsBrothers einen Moment, bei dem du gesagt hast: „Das war ein echter Wendepunkt“?

Das waren für mich die Messen in Rosenheim.

Wir durften an zwei Messen teilnehmen, jeweils mit einem über 100 Quadratmeter großen Stand. Das hat unglaublich gut funktioniert und auch richtig viel Freude gemacht, den Stand zu gestalten.

Damals war natürlich ein gewisses finanzielles Risiko dabei, weil wir im Vorfeld Ware kaufen und entsprechend investieren mussten.

Aber am Ende der Messe hatten wir einen wirklich großen Erfolg. Und es hat unglaublich viel Freude gemacht, sich dort mit den Menschen auszutauschen – mit unseren Gästen.

Das war einer der Wendepunkte, an denen ich gedacht habe: Das Konzept funktioniert wirklich.

Gab es auch Momente, in denen du dich gefragt hast, ob die ganze Idee tatsächlich funktioniert – und vielleicht sogar darüber nachgedacht hast, einen anderen Weg einzuschlagen?

Ich habe eigentlich nie daran gezweifelt, dass das Konzept funktioniert.

Vor Herausforderungen wird man natürlich immer gestellt. Und auch Zweifel, über die wir gesprochen haben, sind immer da. Sie motivieren einen aber auch, weiterzumachen.

Was es einem als Selbstständiger nicht immer leicht macht, sind natürlich auch die Rahmenbedingungen. Gerade als Unternehmen in unserer Größenordnung gibt es viele formelle Dinge, die einen ärgern können und einem manchmal auch ein bisschen die Freude am Selbstständigsein nehmen.

Wenn wir zehn Jahre nach vorne blicken: Wo sollen die GlutsBrothers dann stehen? Was möchtest du aufgebaut haben, bei dem du irgendwann sagen kannst: „Genau dafür hat sich der ganze Weg gelohnt“?

Ich möchte, dass die GlutsBrothers-Community weiter wächst. Ich möchte vielen Menschen mit den Produkten, die wir hier haben, Freude machen.

Schön fände ich es, wenn wir unseren Außenküchen-Fokus weiter ausbauen könnten. Dass wir dort noch eine schöne Ausstellung haben und auch Gastronomie und Hotellerie stärker erreichen.

Und ich würde sehr gerne unser Interior-Design-Sortiment weiter ausbauen. Das ist ein Bereich, der mir riesige Freude macht – Leuchten, Accessoires und einfach schöne Dinge für den Innenraum.

Aber ansonsten möchte ich in zehn Jahren einfach viele, viele zufriedene Gäste hier haben.

Wenn ich dann durch Rosenheim fahre oder auf die Wiesn gehe, möchte ich fröhliche Gesichter von unseren Gästen sehen – und niemanden, der mich irgendwie mürrisch anschaut.

Das wäre für mich ein schönes Ziel.

Kontakt:

GlutsBrothers

Inh. Tobias Vogt

Panger Str. 27

83026 Rosenheim

Tel.: 08031 – 67 90 4

E-Mail: info@glutsbrothers.de