Alexandra, wenn dich jemand zum ersten Mal kennenlernt: Was sollte er über dich wissen, was man nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennt?

Dass ich ziemlich spontan bin und mich sehr schnell auf Situationen einstellen kann. Diese Spontaneität erwarte ich aber auch von meinem Gegenüber. Mir ist es zum Beispiel egal, ob wir heute hierhin oder dorthin gehen. Ich bin da sehr flexibel.

Meine Freunde wissen das. Ich kann durchaus mit verrückten Ideen um die Ecke kommen.

Du erlebst Künstler häufig in einem Moment, in dem sie für Tausende Menschen auf der Bühne stehen. Was glaubst du: Was unterscheidet den Menschen auf der Bühne von dem Menschen hinter der Bühne?

Eigentlich sind sie durchweg sehr, sehr sensibel.

Sie verkörpern auf der Bühne den großen Star, aber hinter der Bühne sind sie sensibel und nervös – egal, wie viele Jahre sie schon Shows machen. Man muss mit ihnen vorsichtig umgehen, schon beim ersten „Grüß Gott“.

Auch Dinge wie „Darf ich ein Foto mit dir machen?“ gibt es bei uns normalerweise nicht. Wenn der Künstler selbst ein Foto möchte, machen wir das natürlich gerne. Ansonsten lassen wir ihm seine Privatsphäre, die er vor dem Konzert einfach braucht.

Nach dem Konzert ist dann oft Party angesagt. Da merkst du richtig, wie alles von ihnen abfällt. Und dann bedanken sie sich teilweise hunderttausendmal dafür, dass sie so einen tollen Tag bei uns hatten.

Gibt es Begegnungen mit Künstlern, die dir besonders im Gedächtnis geblieben sind?

Da könnte ich ein ganzes Buch darüber schreiben.

Du erlebst zum Beispiel Künstler (Anm.d.Red.: Sting), die sich einen ganzen Tag um ein behindertes Kind kümmern. Der Künstler hat an diesem Tag teilweise nicht einmal einen richtigen Soundcheck gemacht, weil es für ihn wichtiger war, für dieses Kind da zu sein.

Solche persönlichen Momente erlebt man hinter der Bühne.

Gab es in deinem Leben einen Moment, in dem du gemerkt hast: Jetzt bin ich genau da angekommen, wo ich eigentlich hinwollte?

Das baut sich ständig auf. Du hast natürlich Höhen und Tiefen in deinem Leben.

Wenn du einmal durch ein tiefes Tal gegangen bist und dahinter der Tunnel wieder aufgeht, denkst du irgendwann: Das ist jetzt toll. Dafür hat es sich gelohnt.

Ich bin zum Beispiel unglaublich dankbar, dass ich die Landesgartenschau für Rosenheim machen durfte.

Ich gehe heute noch über dieses Gelände und denke mir: „Wie schön. Schau, das haben wir gemacht. Dafür haben wir gekämpft.“

Dein Beruf verlangt viel Organisation, Durchsetzungsvermögen und Nerven. Was bringt dich wieder runter?

Wenn ich in den Flieger steige und in den Urlaub fahre, meistens nach Spanien, dann fahre ich tatsächlich runter. Auch wenn ich natürlich immer einen Laptop dabei habe und auch im Urlaub arbeite.

Ich gehe aber auch gerne über den Golfplatz oder auf den Berg. Dort finde ich die Ruhe, die ich brauche – und gleichzeitig auch Kreativität.

Ich brauche immer wieder Input. Ich höre den ganzen Tag Musik und Radio. Ich will wissen, welcher Künstler gerade etwas macht, was angesagt ist und welches Gefühl die Menschen gerade brauchen.

Ich glaube, ich habe ein sehr gutes Gefühl für Rosenheim. Manche Shows funktionieren hier hervorragend, andere überhaupt nicht.

Du bist als Frau in einem Bereich unterwegs, der teilweise noch sehr männlich geprägt ist. Wie erlebst du das?

Ich bin ja auch Produzentin und mache die komplette Produktion des Sommerfestivals.

In meinen E-Mails unterschreibe ich meistens einfach mit „Liebe Grüße, Alex“. Dann kommt die Partnerproduktion oder die Künstlerproduktion und irgendwann sage ich: „Ich bin die Alex.“

Und dann bekommen sie große Augen.

„Du bist Alex?“

Die erwarten in der Produktion meistens einen Mann. Ich glaube, ich bin eine der wenigen Frauen, die solche Festivalproduktionen machen.

Wenn du auf die vergangenen Jahre zurückblickst: Welche Begegnung mit einem Menschen hat dich beruflich oder persönlich besonders geprägt?

Werner Oeckler.

Er hat damals die Landesgartenschau und später auch das Sommerfestival mit mir gemacht. Wir haben wahnsinnig voneinander profitiert.

Er hat unglaublich viel Erfahrung eingebracht. Ich wiederum habe viel Input eingebracht und oft gesagt: „Lass uns das einfach mal probieren.“

Diese Beziehung besteht bis heute.

Damals war auch Peter Kirmair noch dabei. Wir drei – Werner, Peter und ich – treffen uns heute noch regelmäßig, gehen alle paar Wochen zusammen essen.

Wir haben beruflich sehr viel voneinander gelernt und dadurch eine wahnsinnig gute Beziehung aufgebaut.

Wenn Arbeit so viel Spaß macht, dass man sich danach sogar privat noch trifft, ist das schon etwas Besonderes.

Hinter einer großen Veranstaltung stehen unzählige Entscheidungen. Auf welche Entscheidung bist du besonders stolz?

Die größte Entscheidung war natürlich die Frage: Was machen wir aus dem Landesgartenschau-Gelände?

Machen wir dort ein Festival?

Das war damals eine große Entscheidung, die natürlich auch der Stadtrat und viele andere mittragen mussten.

Wir hatten irgendwann den Mut zu sagen: Jetzt geben wir einmal richtig Geld aus und holen einen großen Künstler.

Damals war es Unheilig.

Das war der Sprung in die große Welt der Künstler.

Vorher hatten wir ein sehr gemischtes Programm mit der Stadtkapelle, Ludwig Bachmann von Gut Immling und vielen anderen regionalen Künstlern.

Aber wir hatten uns nie wirklich in die große Welt der Künstler getraut.

Mit Unheilig haben wir diesen Schritt gemacht.

Danach ging es jedes Jahr weiter. Zwei große Künstler, drei große Künstler – und irgendwann waren es fast nur noch große Namen.

So hat sich das entwickelt.

Du hast sehr viele Menschen erlebt, die auf den ersten Blick beeindruckend wirken. Was muss ein Mensch besitzen, damit du ihn wirklich interessant findest?

Er darf nicht hochnäsig sein.

Wenn ein Künstler dasteht und dich eigentlich gar nicht wahrnimmt, finde ich das schwierig.

Wenn du nach der Show nicht einmal ein „Danke, dass wir da sein durften“ oder ein „Auf Wiedersehen“ bekommst, dann ist das für mich erledigt.

Ich finde, Anstand ist wichtig. Auch wenn du ein ganz großer Künstler bist.

Und vor allem muss man fair mit seinem Team umgehen. Mit den Bühnenhelfern, mit den Menschen, die den wirklich harten Job machen.

Wenn jemand mit seinem Team von oben herab umgeht, bin ich auf 180.

Der kann noch so groß sein und noch so viele Follower haben – man muss zu seinem Team fair sein und freundlich mit den Menschen umgehen, wo man hinkommt.

Wenn wir in zehn Jahren noch einmal zusammensitzen und du auf dein Leben zurückblickst: Was möchtest du dann sagen können – nicht über das Sommerfestival, sondern über Alex als Mensch?

Ich möchte sagen können: Ich war immer da, wenn mich jemand gebraucht hat.

Egal, ob Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen.

Ich gehe tatsächlich immer ans Telefon oder rufe sehr schnell zurück. Ich denke mir immer: Es könnte etwas sein. Jemand könnte Hilfe brauchen.

Wenn ich die nächsten zehn Jahre fit bleibe und Menschen helfen kann, dann ist das für mich großes Glück.

Wenn morgen alles wegfallen würde – das Sommerfestival, die Künstler, die großen Veranstaltungen und vor allem die Verantwortung: Was würde von Alexandra Birklein übrig bleiben?

Dann fange ich wieder von vorne an.

Wie in Corona.

Damals ist alles weggefallen. Es gab keine Shows mehr, überhaupt nichts.

Und uns ist trotzdem wieder etwas eingefallen.

Wir haben Aufzeichnungen gemacht, Bands ins Ballhaus geholt und kleine Produktionen gemacht, die dann über das Fernsehen ausgestrahlt wurden.

Ich würde hundertprozentig wieder etwas finden, wo es weitergeht. Etwas, womit ich Menschen Kultur näherbringen kann.

Denn Kultur bringt Menschen zusammen.