Johanna, du bist in ein Unternehmen hineingewachsen, das viele Menschen in der Region kennen. Wann hast du zum ersten Mal gemerkt: Das hier ist nicht nur der Familienbetrieb – das ist jetzt auch meine Verantwortung?
Wahrscheinlich schon von Kindheit an – ich bin eigentlich im Büro aufgewachsen. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich unter dem Schreibtisch meiner Mama saß und zugehört habe, was sie dort macht.
Was hat dich diese Zeit über dich selbst gelehrt?
Ich glaube, vor allem den Biss. Ich habe schon sehr früh gelernt: Im Leben gibt es immer wieder Probleme, größere und kleinere. Aber für alles gibt es eine Lösung. Man muss nur klar überlegen und ein gutes Team im Hintergrund haben.
Und wann kannst du wirklich abschalten? Oder läuft das Unternehmen auch dann noch in deinem Kopf weiter?
Eigentlich läuft die Arbeit 24 Stunden mit. Ich habe ganz oft Träume von irgendwelchen Projekten. Deshalb liegt bei mir auch immer ein Notizblock auf dem Nachttisch. Wenn mir etwas einfällt, notiere ich es – egal, wo ich gerade bin.
Abschalten ist, glaube ich, schwierig. Es stört mich aber auch gar nicht, weil ich in diese Situation hineingeboren wurde und es gar nicht anders kenne.
Viele Freunde sagen immer: „Wenn du aus der Arbeit rausfährst, musst du das doch alles dort lassen.“ Das funktioniert bei mir gar nicht. Aber es stört mich auch nicht, wenn zu Hause noch ein paar Gedanken an die Arbeit mich begleiten.
Die Übernahme von Berr Reisen war sicherlich eine prägende Entscheidung. War sie für dich eher schwer oder doch ein Segen?
Sowohl als auch.
Wir haben uns als Familie lange Gedanken gemacht, wie es weitergeht. Die Situation am Markt ist einfach schwieriger geworden: hohe Personalkosten, höhere Hotel- und Verpflegungskosten, Spritpreise, Investitionen in E-Mobilität und die Ausdehnung des MVV-Bereichs nach Rosenheim.
Wir standen vor der Entscheidung: Entweder wir schwimmen mit – und zwar vorne. Dann müssen wir richtig Gas geben, investieren und brauchen deutlich mehr Personal. Oder wir suchen uns jemanden, der stark an unserer Seite steht.
Uns war aber wichtig, dass es ein Familienbetrieb bleibt, der uns als Familie und auch unsere Mitarbeiter schätzt. Berr Reisen sollte genauso weiterlaufen, wie wir es aufgebaut haben und wie es sich meine Eltern für die Zukunft wünschen.
Wir sind jetzt im Hintergrund durch einen großen Partner gestärkt und können mit viel Rückenwind in die Zukunft gehen.
Gibt es etwas, das du durch deine Rolle und durch das Unternehmen verpasst hast?
Definitiv. Das Familienleben ist bei uns schon sehr auf der Strecke geblieben. Mein Papa war ständig mit dem Bus unterwegs, meine Mama im Büro.
Im Winter, wenn die Saison etwas ruhiger war, sind sie losgefahren und haben neue Ideen gesucht. Sie sind wirklich in andere Länder gereist, um Neues zu entdecken.
Ich war dann bei meiner Oma oder meiner Tante und bin dort aufgewachsen. Das war wunderschön. Aber gerade Familienfeiern wie Weihnachten oder Ostern gab es bei uns eigentlich nicht in der Form.
Das waren im Busunternehmen absolute Hochsaisonzeiten. Wir mussten schauen, dass alle Busse pünktlich rausfahren, wieder sauber zurückkommen und der Betrieb funktioniert.
Damit wächst man auf. Aber gleichzeitig hatte diese Kindheit auch Vorteile. Man lernt sehr früh, freundlich mit Menschen umzugehen und jemandem zu helfen.
Diese Gepflogenheiten sollte man eigentlich weitergeben.
Wann hast du das letzte mal was richtig verrücktes gemacht?
Während Corona habe ich mich dazu entschieden, eine Ausbildung in der Hauswirtschaftsschule in Rosenheim zu machen.
Ich koche gerne, mache gerne Haushalt und kümmere mich gerne um andere Menschen.
Ich habe die Freizeit, die man während Corona zwangsläufig hatte, genutzt und nebenbei Hauswirtschaft gelernt.
Und es war eine richtig coole Erfahrung und hat mir unglaublich viel gebracht.
Was ist für dich persönlich Luxus?
Richtig gute, handgemachte Pasta.
Ich brauche eigentlich nicht viel. Aber handgemachte Nudeln mit einer richtig bombastischen Soße – das ist für mich Luxus.
Ich liebe italienische Küche. Damit bin ich mehr als glücklich.
Und zum Schluss: Wenn die Menschen aus der Region dich in zehn Jahren beschreiben sollen – was würdest du dir wünschen, dass sie über dich sagen?
Eine witzige, nette Person, mit der man immer Spaß haben kann, aber auch ernste Sachen besprechen und Lösungen finden kann. Ich glaube, ich möchte einfach gut in Erinnerung bleiben.